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Die dritte Torhüterin der ersten Mannschaft, Fanny Keizer, hat zwei, auf dem ersten Blick entgegengesetzte Leidenschaften. Die junge Genferin kommt im Interview auf Fussball und Kunst zu sprechen.


Hast du schon immer im Tor gespielt?

Nein, nicht immer. In der Fussballschule war ich Feldspielerin. Bei den E-Junioren in Plan-les-Ouates ging ich zum ersten Mal ins Tor. Es kam Schritt für Schritt. Zuerst stand ich nur bei Schussübungen im Tor, später dann auch bei den Meisterschaftsspielen.  

Inspiriert dich ein Torhüter oder eine Torhüterin?

Als ich klein war, mochte ich Edwin Van Der Sar und Iker Casillas. Zurzeit gefallen mir vor allem Marc-André Ter Stegen und Yann Sommer.

In deinen Venen fliesst niederländisches Blut, nicht wahr?

Das stimmt. Mein Vater kommt aus den Niederlanden.

Hast du schon einen gehaltenen Strafstoss wie Memphis Depay gefeiert?

Noch nicht!

In der 1.-Liga-Mannschaft vom Team Etoile Carouge-SFCCF 2 bekommst du Spielpraxis. Ist es wichtig für junge Spielerinnen, und vor allem für eine Torhüterin, ein gutes Reserveteam zu haben?

Ja, das ist wichtig, weil ein gutes Reserveteam uns die Möglichkeit gibt, Erfahrung zu sammeln und Spielpraxis zu bekommen. Auch wenn das Niveau etwas schwach ist, können die Spielerinnen, welche in der NLA nicht zum Einsatz kommen, den Spielrhythmus behalten. Mit den Spielen in der 1. Liga kann man auch Selbstvertrauen tanken. 

Auf deiner Position gab es im Sommer eine herausragende Verstärkung, weil der Servette FCCF die Nationaltorhüterin Gaëlle Thalmann holte. Ist es für dich eine zusätzliche Motivation, zusammen mit ihr zu trainieren?

Ja, mit solch einer erfahrenen und starken Spielerin zu trainieren, kann nur motivieren. Für mich war es immer positiv, mit erfahreneren Torhüterinnen zu trainieren, weil sie mir immer helfen und Ratschläge geben. Sei es mit Anaëlle Nicli, als ich zu Chênois wechselte, oder mit Ana Castro bei Servette. Ich hatte immer Torhüterinnen dabei, die mich motivierten und dazu veranlassten, alles zu geben. Dieses Jahr ist es noch besonderer, denn Gaëlle ist sehr anspruchsvoll. Sie hat hohe Ansprüche an sich selbst zuallererst und dann an die anderen, deswegen führt es dazu, dass die anderen ihr Bestes geben wollen. Sie gibt ausserdem gute Ratschläge.

Reden wir nun über dein zweites Lieblingsthema: warst du schon immer von der Kunst begeistert?

Nein, nicht wirklich, oder nicht im selben Ausmass wie vom Fussball. Seitdem ich klein bin, zeichne ich, aber seitdem ich im Gymnasium bin, mache ich das etwas intensiver. Ich wählte Kunst als Schwerpunktfach und mit den Unterrichtsstunden in Kunst und Kunstgeschichte entwickelte sich meine Leidenschaft fürs Zeichnen und für die Kunst. Fussball ist schon seit immer meine Leidenschaft, aber das Zeichnen wurde erst seit ein paar Jahren zu einer Leidenschaft. Heute kann ich aber sagen, dass ich beide gleich so viel liebe, es ist wirklich 50/50. Ich bereite übrigens den Aufnahmetest für eine einjährige Passerelle vor, damit ich später an der HEAD [zu Deutsch: Hochschule für Kunst und Design] studieren kann. 

Ist deine Kunst vom Fussball inspiriert?

Ein bisschen, aber nicht systematisch. Es kam schon mal vor, dass ich Fussball-Zeichnungen oder gar Servette-Zeichnungen machte, aber ich könnte nicht sagen, dass der Fussball die allererste Inspirationsquelle ist.

Und ist dein Fussballstil hingegen von der Kunst inspiriert?

Ich glaube nicht, nein, weil es zwei völlig entgegengesetzte Sachen sind. Wenn ich zeichne, bin ich in einer anderen Welt, und wenn ich Fussball spiele, bin ich in einer noch anderen. Und das mag ich, dass meine beiden Hobbies nichts miteinander zu tun haben. Das Schwierige ist nur, dass beide sehr viel Zeit beanspruchen!

Manche Leute betrachten den Sport als eine Kunst. Das ist also nicht dein Fall?

Doch. Für mich ist Sport eine Kunst, aber eine völlig andere Kunst als das Zeichnen.

Wo findet man Kunst im Fussball?

Meiner Meinung nach findet man sie in allen Bereichen: im Spiel, in den Emotionen, in der Spannung oder auch in der Belastung. Das findet man auch in anderen Kunstarten.

Als Landsmännin von Cruijff musst du Taktik fast als Kunst betrachten, nicht wahr?

Bestimmt. Ich bevorzuge eine Mannschaft, die schön spielt, als eine Mannschaft, die nur auf Konter lauert und nie den Ball hat. Und wenn die Mannschaft, die schön spielt, sich Torchancen erarbeitet und Tore erzielt, dann ist es umso besser. Wenn all diese Bedingungen erfüllt sind, dann kann man von einem Meisterwerk sprechen.

Nicht nur im Spielerischen findet man Kunst im Fussballbereich. Ich finde, dass es sehr schön erbaute Stadien gibt, aber auch schöne Trikots und sogar schöne Rasen. Auch da kann man von Kunst sprechen.   

Welches Stadion ist deiner Meinung nach ein Kunstwerk?

Ich finde die Allianz Arena sehr schön, aber ich konnte sie noch nie besuchen. Ausserdem mag ich das Camp Nou, wo ich ein Spiel sehen konnte. Von aussen ist es nicht so beeindruckend, aber im Inneren ist es einfach zauberhaft.

Welches ist das künstlerischste Trikot?

Das Nigeria-Trikot der WM 2018 fand ich äusserst originell. Dieses Jahr mag ich das Auswärtstrikot von Dortmund, es ist nüchtern, aber klasse.

Würdest du gern ein Torhütertrikot wie diejenigen vom Mexikaner Jorge Campos tragen?

 [Lacht] Nein, Patchwork mag ich nicht.

Drei Adjektive, die dich beschreiben?

Leidenschaftlich, motiviert und zurückhaltend.