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Laura Tufo, die in Genf ausbildet wurde, erlebte die Fortschritte des Frauenfussballs. Sie erzählt ihren Weg von den männlichen Junioren bis zur NLA.


Aus welchem Grund fingst du mit dem Fussball an?

In Australien begann ich, mit meinem Bruder Fussball zu spielen. Ich war sieben Jahre alt und ich fand es cool, mit ihm zusammenzuspielen. Es war natürlich und unbekümmert.  

Du wuchst in Australien auf?

Zwischen 2008 und 2015 flog ich viermal für mehrere Monate dahin. Das erste Mal ging es darum, Englisch zu lernen. Weil es so super lief, wiederholten wir die Erfahrung mehrmals. In der Schule war es hart. Ausserdem hatten wir recht hässliche Uniformen.

Wie ist die Fussballkultur dort?

Wir spielten im Rahmen der Schule. Eltern trainierten die Schulmannschaft und wir mussten jedes Training zahlen. Es war auch kein Problem, ein Mädchen zu sein. Ich hatte eine Freundin, die zusammen mit mir spielte und es lief gut. Ich war jung und stellte nicht soviel in Frage. Für mich war es normal, dass ein Mädchen wie ein Junge war.

Wann gingst du zum ersten Mal in ein Stadion?

Ich erinnere mich weder an das Jahr noch an die Begegnung, aber wahrscheinlich war es ein Spiel von Italien im Stade de Genève.

Hast du schon immer davon geträumt, auf höchstem Niveau zu spielen, oder hast du nur zum Spass gespielt?

Nein, ich spielte nur zum Spass, aber je höher das Niveau, desto besser ist es, um sich weiterzuentwickeln.

Hast du schon immer als Verteidigerin gespielt?

Nein, ich spielte schon im zentralen Mittelfeld oder auf dem Flügel. Ab und zu lief ich auch als Stürmerin auf, aber es war nicht so überzeugend.

Wann spieltest du zum ersten Mal in einer Mädchenmannschaft??

Im Verein spielte ich mit Jungen zusammen, aber gleichzeitig gab es eine Genfer Auswahl, wo wir nur Mädchen waren. Zuerst lief ich mit der U13, dann mit der U15 auf. Dann hatte ich das Glück, dass sie eine U16 auf die Beine stellten. Loick [Falcy] war unser Trainer.

Ich spreche von « Glück », weil wir in der U13 und U15 nur wenige Trainingseinheiten hatten. Es gab Turniere, aber ansonsten trainierten wir nur einmal im Monat zusammen. Die U16 war allerdings wie eine Vereinsmannschaft, denn wir spielten eine Meisterschaft gegen Buben. Mit Laura [Felber] und Fanny [Keizer] traten wir gegen C-Junioren an. Als wir altersbedingt die U16 verlassen mussten, hatten wir erneut Glück, denn sie riefen das Projekt Servette ins Leben und wir wechselten zunächst in die 1. Liga.    

Seit wann spielst du mit beiden?

Wir hatten den doppelten Spielerpass, deswegen spielten wir gleichzeitig im Verein und in der Auswahl. Laura und ich waren in Compesières mit den Jungen, wir kennen einander, seitdem wir 11 Jahre alt waren. Wir waren die einzigen Mädchen. Mit Fanny spielten wir in der Auswahl, aber damals mochten wir einander nicht wirklich [lacht]. Als wir zu Servette wechselten, verstanden wir uns allmählich besser.

Als du zu Servette kamst, wie lange spieltest du in der 1. Liga, bevor du zur NLB-Mannschaft stossen konntest?

Einen Monat lang würde ich sagen, vielleicht weniger. Wir – Laura und ich hatten mehr oder weniger den gleichen Weg – hatten es nicht erwartet. Wir dachten, dass wir nicht mal in der 1. Liga spielen würden und plötzlich trainierten wir mit der NLB-Mannschaft und spielten mit dem 1.-Liga-Team. Dann wurden wir für das Cupspiel im Stade de Genève gegen YB (NLA) aufgeboten. Es war mein erstes Spiel.

Und was für ein erstes Spiel! Erstes Frauenspiel der Geschichte im Stade de Genève und dann eine Qualifikation im Elfmeterschiessen gegen einen erstklassigen Gegner… und dann schiesst du den letzten Strafstoss!

Konntest du danach weiterhin mit der NLA-Mannschaft spielen?

Unmittelbar nach dem Spiel nicht wirklich. Aber allmählich wurde ich zur Stammspielerin und am Ende der Saison stiegen wir in die NLA auf. Es war ein genialer Moment.

Hast du ein Hobby neben dem Fussball?

Nicht wirklich. Wenn ich frei habe, verbringe ich die Zeit mit meinen Freunden, meinem Freund und meiner Familie. Ich mag es unnötige Gegenstände zusammenzubasteln. Ich bin neugierig und ich baue gern Dinge auseinander, um zu sehen, was drin ist.   

Du möchtest ein Studium in diesem Bereich absolvieren?

Gar nicht [lacht]. Nächstes Jahr möchte ich ein Medizinstudium aufnehmen. Ich würde gerne als Sportärztin arbeiten. Während den Sommerferien werde ich versuchen, ein Praktikum zu finden, um zu sehen, was mich erwartet. Es wird sicherlich kompliziert sein, Fussball zu spielen und Medizin zu studieren, aber ich möchte nicht aufhören.   

Wie erlebst du das Dilemma zwischen dem Willen, sportlich das Topniveau zu erreichen, und dem Bedürfnis, eine berufliche Karriere aufzubauen? Auf diesem Niveau kennt der Männerfussball dieses Problem nicht, aber der Frauenfussball teilt diese Schwierigkeit mit anderen weniger medienpräsenten Sportarten.

Ich habe schon immer angenommen, dass ich auch neben dem Fussball einen Job haben werde. Ich habe viel Spass beim Fussball, ich versuche, so viele Fortschritte wie möglich zu erzielen, ich liebe den Wettkampf, aber ich hatte noch nie das Ziel, vom Fussball zu leben. Du kannst ja mega stark sein und nicht davon leben können. Auch Sandy [Maendly] hat ja einen Job neben dem Fussball.  

Vier Trainingseinheiten pro Woche, Auswärtsreisen ans andere Ende der Schweiz, es ist schon ein ernsthaftes Hobby, oder?

[Lacht] Ich gebe zu, dass es viel ist. Aber es gefällt mir!

Sprechen wir ein bisschen über die Saison, die am 8. Februar mit dem Heimspiel gegen St. Gallen-Staad in Balexert wieder losgeht. Es wird ein Zweikampf zwischen Servette und Zürich um die Führung in der NLA. Spürt ihr den Druck?

Wir werden zumindest nicht unter Druck gesetzt. Logischerweise wollen wir so hoch wie möglich ankommen und weil die Situation jetzt so aussieht, wollen wir diesen Wettlauf für uns entscheiden. Individuell setzt sich jede ihre eigenen Ziele, um das Beste zu geben.

Servette hat 10 Punkte Vorsprung auf den dritten Platz und ist im Rennen um die Champions League. Was bedeutet es für dich?

Es ist ziemlich unglaublich, sich vorzustellen, dass man gute Chancen hat, an der Champions League teilzunehmen. Normalerweise schaut man die Champions League im TV oder im Stadion, wenn man Glück hat!

Gegen welche Mannschaft würdest du am Liebsten spielen?

Ich fände es cool gegen Juventus oder Real zu spielen. Gegen einen starken Gegner.

Drei Adjektive, die dich beschreiben?

Lächelnd, entschlossen und aufmerksam.